Tipps für die Reduktion von Angst in Zeiten wie diesen

Angst vor Viren? Angst vor dem Krieg? Angst vor der Energieknappheit? Angst vor der Inflation? Angst vor Migration? Angst vor dem Klimawandel? Angst vor dem bevorstehenden Polsprung? Angst vor Naturkatastrophen?

Dies dürfte in etwa die Liste jener Ängste sein, die die Menschen rund um den Erdball aktuell beschäftigen. Es reicht schon eine dieser Ängste aus, damit Menschen in Resignation verfallen. Die Kombination von mehreren daraus erhöht dieses Risiko ungemein.
Die Ergebnisse sind massive Zukunftsängste, Antriebslosigkeit und Perspektivenlosigkeit. Man kann schließlich ohnehin, gegen den seit über zwei Jahren andauernden Krisenmodus nichts machen.

Stimmt, gegen die Krisen ist als Einzelner schwer anzukämpfen. Sehr wohl liegt es an uns, wie wir mit den daraus resultierenden Ängsten umgehen. Lassen wir Sie in uns heran?

Der aktive Wille als persönlicher Schutz

Nehmen wir dazu die Metapher einer mittelalterlichen Burganlage. Jede dieser Anlagen bestand in der Regel aus befestigten Mauern, die nur durch Tore passierbar sind. Diese waren meist durch Zugbrücken gesichert, falls ein Feind nach.
Dieser „Feind“ sind nun in unserer Welt die eingangs geschilderten Ängste. Das Burginnere steht für unsere Psyche. Die Ängste als unsere „Feinde“ versuchen – unterstützt durch ständige mediale Befeuerung – unsere sichere „Burg“ zu überrennen und sie in Dauerbeschlag zu nehmen. Dabei vergessen wir eine wichtige Einrichtung – nämlich die Zugbrücken.
Sie stehen für unseren aktiven Willen, diesem „feindlichen“ Angstschwall etwas entgegenzusetzen – nämlich unsere freie Entscheidung, was wir an uns heranlassen und was nicht.
Die Kernfrage ist nun: Wie können wir aktiv unsere „Zugbrücken“, unseren aktiven Willen stimulieren, damit eindringende Ängste zumindest weniger eindringen können?

Tipp 1: Medienkonsum einschränken und steuern

Es geht bei der Einschränkung des Medienkonsums nicht darum, sich vom lokalen und Weltgeschehen abzuschotten. Wir sind ein Individuum, eingebettet in eine Gesellschaft. Wenn Sie also nicht gerade hauptberuflicher Eremit in einer Höhle in einem unwegsamen Gebiet sind, ist es natürlich ratsam, sich mit bestimmten Themen auseinander zu setzen.
Sie sollten allerdings steuern, was sie lesen. Bei den Radio, TV und Zeitungen geht dies problemlos durch eine bewusste Entscheidung. Bei digitalen Medien nutzen Sie doch die Vielzahl an Helferleins (Feedreader, News-Aggregatoren etc.), wo sie auf Punkt und Beistrich bestimmen können, was Sie lesen und – vor allem – was Sie NICHT lesen wollen.

Tipp 2: Häufigkeit des Infokonsums bestimmen
Unsere digitalen Begleiter wie Handy, Tablets und Smartwatches begleiten ständig im Alltag. Die ständigen Benachrichtigungsmöglichkeiten überfluten uns erneut mit unerwünschten Informationen: Hier ein neuer Facebook-Post zum Krieg in der Ukraine, dort ein neues Video über einen wieder aktuell gewordenen Lockdown in China und noch ein paar WhatsApp-Nachrichten über die jüngsten haarsträubenden Aussagen von Politikern.
Deaktivieren Sie alle nicht unbedingt notwendigen Benachrichtigungsfunktionen Ihres Gerätes. Sie entscheiden, wann und wo und was Sie lesen – nicht das Mobiltelefon oder die Smartwatch.

Tipp 3: Keine negativen Botschaften vor dem Einschlafen
Es empfiehlt sich, zumindest bis eine Stunde vor dem Gang ins Bett, keine negativen, angstmachenden Nachrichten auf welchem Info-Kanal wie immer zu konsumieren. Ihr Unterbewusstsein wird es Ihnen mit einem erholsameren Schlaf danken.

Energieknappheit, Finanzkrise & Co.: Durch gemeinschaftliche Vorbereitung Ängste reduzieren

Es ist unbestritten, dass Energieknappheit, ein möglicher Blackout, die finanzielle Belastung und eine mögliche Geldentwertung bzw. ein Umstieg auf digitales Zentralbankgeld eine reale Gefahr darstellen. Sie treffen uns direkt dort, wo es uns am meisten weh tut. Natürlich weckt dies Ängste. Etwa beim Familienvater, der nicht mehr weiß, wo er das nötige Geld für das Heizen im Winter auftreiben soll. Oder bei der Alleinerzieherin, die bereits Kundin im Sozialmarkt ist, um ihren Kindern ein tägliches Essen zu ermöglichen. Oder beim angehenden Pensionisten, der sein Leben lang hart erspartes Geld nun in Gefahr sieht.
Diesen Menschen mit Sätzen wie „Es wird alles gut“, „Es geht immer irgendwie weiter“, „So schlimm wird es schon nicht kommen“ unterstützen zu wollen, ist wahrscheinlich wenig hilfreich.
Jedoch können diese Menschen ihre aufkeimenden Ängste auch selbst deutlich reduzieren. Wie? Indem sie sich bereits jetzt bemühen, sich in unterschiedlichen Gemeinschaften zu organisieren – etwa um gedanklich für unterschiedliche Szenarien gerüstet zu sein:

  • Wie versorge ich mich selbst mit dem Nötigsten?
  • Auf wen kann ich im Notfall zurückgreifen, um für ein paar Tage Unterkunft für mich und meine Lieben zu erhalten?
  • Wie kann ich anderen im Notfall helfen und welche Produkte oder Dienstleistungen bekommen auf dem Tauschweg von diesen retour?
  • Wo erhalte ich Lebensmittel, wenn alle Lieferketten zusammengebrochen und die Geschäfte geschlossen haben?
  • Welche Wohnalternativen gibt es für mich, wenn ich mir künftig die aktuelle Wohnsituation nicht mehr leisten kann?
  • Was tue ich bei Jobverlust? Welche Fähigkeiten stecken noch in mir, die ich als Arbeitskraft anbieten kann? Und wen in meinem Umfeld kann ich diesbezüglich als Multiplikator verwenden?
  • Was brauche ich unbedingt zum Leben – und was nicht?

Die Liste ließe sich noch lange weiterführen. Es ist auch nicht relevant, ob diese Szenarien tatsächlich eintreffen. Im Fall des Falles hat man allerdings die Gewissheit, nicht unvorbereitet zu sein. Dies reduziert wiederum die Ängste und sorgt – trotz der schwierigen Lebensumstände – für etwas Beruhigung. Die Betonung bei all diesen Überlegungen liegt auch dezidiert auf das GEMEINSAME. Man ist nicht alleine, hat gleichgesinnte Gefährten an seiner Seite. Da geht es nicht um eine große Menge an Menschen, sondern um eine Handvoll Personen, die sich gegenseitig auf sich verlassen kann.
Etwas militärischer ausgedrückt hat des der frühere Feldherr Rüdiger von Clausewitz:

„Den Krieg gewinnt man nicht am Schlachtfeld, sondern in der Vorbereitung.“

Auf ein baldiges Wiederlesen!

Ihr Andreas Reisenbauer

(Image by Gerd Altmann from Pixabay)

"Neue Pfade" nun mit eigenem Kanal auf Telegram

„Neue Pfade“ ist seit wenigen Tagen auch auf dem Messenger-Dienst Telegram mit einem eigenen Kanal vertreten. Inhaltlich geht es dort – wie auch hier in diesem Blog – um Wege zur Neuorientierung, Denkanstöße zur aktuellen Zeitqualität und den einen oder anderen Perspektivenwechsel.

Würde mich freuen, Sie in meinem Kanal begrüßen zu dürfen!

Auf ein baldiges Wiederlesen!

Ihr Andreas Reisenbauer

(Image by Victoria_rt from Pixabay)

Wie komme ich gut durch die aktuelle Zeitqualität?

Wie komme ich gut durch die aktuelle Zeitqualität? Diese Frage ist eine der zentralen in den Beratungs- und Psychotherapiepraxen.
Ja, die aktuelle Zeit ist herausfordernd. Dieser Satz wird auch ständig von der Politik, den Medien, den Social-Media-Portalen seit der Coronapandemie ventiliert. Die Ukraine-Krise, die Energie-Krise, die Klima-Krise oder die grassierende Teuerung sorgen dafür, dass der ständige Luftstrom der Angstmache nicht abreißt.
Doch lassen wir für einen Moment die vorhin erwähnten Krisen beiseite und betrachten wir das derzeitige Geschehen von der anderen Seite.

Gehen wir davon aus, dass die genannten Krisen im Außen nur die Spitze des Eisberges darstellen. Sprich: Es zeigt sich im Außen, was sich im Inneren, also bei den Menschen abspielt. Das Leben auf der Erde ist in vielen Bereichen an seine absoluten Grenzen angelangt. Ganz egal, ob dabei die Wirtschaft, das Finanzsystem, die gerechte Verteilung von Nahrung und Vermögen oder das Ökosystem in Betracht gezogen werden.
Auch das Zusammenleben der Menschen selbst ist betroffen. Viele stellen sich – vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben – Fragen wie: Macht mein Job, macht meine Beziehung zu meinem Partner bzw. zu meiner Partnerin, machen meine Kontakte zu bestimmten Bekannten und Verwandten überhaupt noch Sinn?

Ein neuer Weg zeichnet sich ab

Es geht um einen neuen Weg, den die gesamte Menschheit nun einschlägt. Corona, Ukrainekrieg & Co. sind nicht die Auslöser für diesen Weg, sondern die Übergangszeichen vom letzten Aufbegehren eines alten Systems.
Wir sehen im Außen den „Abschiedsschmerz“, der wohl noch einige Jahre zu registrieren sein wird. Es macht schon in Sinn unserer Psychohygiene wenig Sinn, sich von diesem „Abschiedsschmerz“ anstecken zu lassen.
In der Hoch-Zeit der Coronapandemie bemühten sehr oft Politiker die Phrasen „Zurück zur Normalität“ oder „Ein Sommer wie früher“. Wollen wir wirklich zurück zu einer „Normalität“ oder einer „Zeit, wie früher“, die uns so weit von uns selbst entfernt hat?

Speziell die massen-gruppendynamisch hochinteressante Coronapandemie hat uns aufgezeigt, dass sehr viele Menschen bereit sind, über Grenzen zu gehen, um am Alten festzuhalten. Das ist einerseits menschlich verständlich, denn jede Veränderung wird zunächst als Bedrohung wahrgenommen. Und bei dieser Veränderung muss es sich auch gar nicht um einen Virus handeln.
Auf der anderen Seite werden wir uns – ob wir wollen oder nicht – der ständigen Veränderung in nächster Zeit stellen müssen. Viele beobachten schon seit Monaten in ihrem Leben eine erkennbare Beschleunigung – das gilt sowohl für Umbrüche im persönlichen Bereich als auch für angepeilte Ziele und jahrelang ungelöste Probleme. Die Veränderungen kommen zu uns in einer noch nie dagewesenen Geschwindigkeit.

Das Wichtigste daher, für die nächsten Monate: In allen Belangen Ruhe bewahren und so viel als möglich in der Natur Kraft tanken. Ratsam ist es zudem, den Medienkonsum drastisch einzuschränken. Die ständige Berieselung bzw. Beschallung mit negativen Botschaften und Horrorszenarien versetzt unsere Psyche und unseren Organismus in permanenten Angst- und Panikmodus, der uns nicht nur lähmt, sondern in letzter Konsequenz sogar krank macht.
Ist dieser ruhende Ort in der eigenen inneren Mitte gefunden, lassen sich die auf uns zukommenden Ereignisse besser und kontrollierter bewältigen. Auch die klare Fokussierung, dass auf uns einschneidende Veränderungen zukommen, hilft ungemein, um ohne angsterfüllte Panikmache auf die Ereignisse der nächsten Monate vorbereitet zu sein.

Auf ein baldiges Wiederlesen!

Ihr Andreas Reisenbauer

(Image by Ralf Vetterle from Pixabay)

Indianische Weisheiten im heutigen Kontext

Indianische Weisheiten haben auch heute in unser scheinbar modernen Welt ihre Berechtigung. Im Folgenden findest Du zehn Gedanken und ihre jeweilige Übersetzung in den heutigen Kontext:

  • Behandle die Erde und alles, was auf ihr lebt, mit Respekt
    • Schärfe Deinen Blick!
  • Bleibe stets in enger Verbindung mit dem Großen Geist!
    • Höre auf Deine innere Stimme!
  • Zeige großen Respekt vor Deinen Nächsten!
    • Bringe Dir selbst Respekt entgegen!
  • Arbeite gemeinsam zum Wohle der gesamten Menschheit!
    • Hilf, wo Deine Kräfte stark sind!
  • Hilf und sei gütig, wo immer dies gebraucht wird!
    • Lieber einmal zu viel helfen!
  • Tue das, von dem Du weißt, dass es richtig ist!
    • Denke nach, bevor Du handelst!
  • Kümmere Dich darum, dass Körper und Geist sich wohlfühlen
    • Wann hast Du das letzte Mal etwas für Körper und Geist getan?
  • Verwende einen Teil Deiner Anstrengung für das höhere Gute!
    • Höre auf Deine innere Stimme!
  • Sei ehrlich und wahrheitsliebend zu jeder Zeit
    • Sei zu Dir selbst ehrlich!
  • Übernimm die volle Verantwortung für alle Deine Taten
    • Nicht immer sind nur die Anderen schuld!

Auf ein baldiges Wiederlesen!

Dein Andreas Reisenbauer

(Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay)

Aufstellungen in Wolfsberg im Jahr 2022

Gerade eben wurden unsere Aufstellungstermine von Juli bis Dezember 2022 in Wolfsberg fixiert. Auf vielfachen Wunsch bieten wir ab sofort auch Systemaufstellungen an Samstagen an. Diese finden alternierend zu den gewohnten Donnerstag-Terminen statt.
Hier die Termine 2022 zur Übersicht:

  • 30. Juli 2022, 9 Uhr
  • 8. September 2022, 18 Uhr
  • 8. Oktober 2022, 9 Uhr
  • 10. November 2022, 18 Uhr
  • 10. Dezember 2022, 9 Uhr

Alle Detailinfos und Anmeldemöglichkeiten findet ihr hier.

Sei du selbst Lenker deiner Aufmerksamkeit

Seit Beginn 2020 sind die Menschen in Europa mit einem Phänomen konfrontiert, das es in dieser Form bislang nur in Kriegszeiten und Hungersnöten gegeben hat: Seit Beginn der Corona-Pandemie wurde die Aufmerksamkeit auf ein Thema gerichtet. Überlappt wird das Thema aktuell durch den ausgebrochenen Krieg in der Ukraine. Wieder wird die Aufmerksamkeit gebündelt auf ein Thema konzentriert.
Im Folgenden sollen jedoch nicht Hintergründe der medialen, politischen und gesellschaftlichen Fokussierung auf ein Thema erörtert werden – sondern vielmehr, wie wir uns aus diesem „Aufmerksamkeitsloch“ befreien können.

Denn eines ist klar: Wenn wir uns nicht bewusst entscheiden, gibt es kein Entrinnen aus dem „Aufmerksamkeitsloch“. All unser Denken, unser Handeln und teilweise sogar unsere Träume werden von diesem Thema dominiert. Die Szenarien schüren in uns eventuell sogar Ängste, die sich negativ auf unsere Psyche und in weiterer Folge auf unser Immunsystem auswirken. Der oft gehörte Ratschlag, den Medienkonsum auf null zu stellen bzw. in persönlichen Gesprächen das jeweils vorherrschende Thema auszuklammern, funktioniert nur bedingt. Eventuell ist dieser Tipp sogar kontraproduktiv, denn eine grundsätzlich gesunde, fundierte Information über Themen, die die Welt oder die Region bewegen, ist für einen mündigen Staatsbürger durchaus wünschenswert.
ABER: Selbstverständlich sollen wir selbst Lenker unserer Aufmerksamkeit sein. Wir – und nur wir – entscheiden, wohin sich unsere Aufmerksamkeit richtet. Gelingt uns dies nicht, werden wir zu Passagieren degradiert.

1. Schritt: Erkennen, dass ein Thema zu dominant wird

Deshalb ist es wichtig zu erkennen, wann Zeitpunkt erreicht ist, dass ein Thema zu dominant unseren Geist, unsere Psyche und letztendlich unsere Seele in den Bann zieht. Wenn unsere Gedanken ständig auf dieses Thema abschweifen, wenn wir in Gesprächen mit unterschiedlichen Gesprächspartnern ständig in dieses Thema „eintauchen“ und wenn uns negative Thema, mit dem wir beschallt werden, sogar um die Schlafqualität bringt, dann ist eine rote Linie überschritten.

2. Schritt: Einschränken der Informationsbeschaffung

Um die eigene Informationsbeschaffung kritisch zu hinterfragen, können folgende Fragen sehr hilfreich sein:
  • Welche Nachrichtenkanäle werden von mir genutzt (Internet, Radio, TV, Social Media etc.)?
  • Welche davon kann ich aktiv steuern, sodass ich bestimmen kann, wann und in welchem Ausmaß mich diese Nachrichten erreichen bzw. in welchem Umfang ich mich von diesen „erreichen lasse“?
  • Wie kann ich Gespräche, die ständig zum aktuellen Thema Nr. 1 abdriften, durch geschickte Fragen bzw. Redewendungen, einer positiven Angelegenheit zuwenden?

Eines sei angemerkt: Es geht bei dieser selbstkritischen Analyse nicht darum, in Vogel-Strauß-Manier die Augen vor den Geschehnissen der Welt zu verschließen. Es geht vielmehr darum, einen selbstbestimmten Umgang mit dieser Informationsflut zu erlernen.

3. Schritt: Was interessiert mich, worüber möchte ich informiert werden?

Es gibt speziell im Internet und auf Social Media genug Möglichkeiten und Werkzeuge, sich seinen Informationsstream nach dem eigenen Gutdünken und Interessen zusammenzustellen. Dort lässt sich z. B. auch gut ausklammern, welche Beiträge zu welchem Thema man nicht lesen oder hören möchte. Auch im TV ist mittlerweile durch die Streaming-Optionen das zeitversetzte Konsumieren nach entsprechender voriger Auswahl möglich.

Persönliche Haltung ist entscheidend

Durch die bewusste Lenkung unserer Aufmerksamkeit nehmen wir wieder am Fahrersitz Platz und agieren nicht mehr als bloße Beifahrer. Diese Vorgangsweise weitet auch unseren Blickwinkel, denn wie wir speziell in den letzten beiden Jahren erfahren mussten, wurden sehr viele Themen bewusst in der Öffentlichkeit platziert, um von anderen Themen abzulenken. Aufmerksamen Beobachtern des Zeitgeschehens und der Massendynamik gelingt es in der Regel leichter, diese Vorgänge zu durchschauen.

Zurück zur Normalität nach dem Tag X und dem Pandemieende – wollen wir das wirklich?

Der Tag X, an dem die Coronapandemie endet, kommt so sicher wie das Amen im Gebet – auch wenn es derzeit weltweit widersprüchliche Aussagen gibt, wann dieser Zeitpunkt eintritt. Aber er wird eintreten.
Dann kehrt endlich wieder eine Normalität ein. Darauf freuen sich schon jetzt viele Menschen. Die schlechte Nachricht ist:

Die „Normalität“, wie wir sie von früher her kennen, wird es nicht mehr geben.

Natürlich werden wir in absehbarer Zeit wieder ungehindert reisen dürfen, natürlich werden wir wieder ganz normal unsere Liebsten treffen und herzen können, natürlich werden wir wieder ganz normal in den Gasthäusern ein gutes Essen bei Tisch einnehmen, natürlich werden wir wieder Theater- und Konzertaufführungen besuchen können, natürlich…

Die Veränderung ist nachhaltig

Warum es trotz allem die „Normalität“, die wir von früher her kennen und vielleicht dieser sogar nachtrauern, nicht mehr geben wird, ist einfach erklärt:

Die Pandemie hat uns alle verändert. Wir sind nicht mehr jene Menschen, die wir vor 2020 waren.

Und das ist gar nicht negativ zu verstehen. Die Eindrücke, die auf uns eingeprasselt sind, haben viele von uns zum Nachdenken und Hinterfragen angeregt. Das war den Umständen geschuldet, denen wir ausgesetzt waren. Das Virus war hierzu nur der Auslöser, der Brandbeschleuniger. Die Umstände haben viele von uns nachhaltig verändert. Corona war auch ein Aufzeiger, ein Aufdecker von verborgenen Themen.

Betrachten wir unser Außen, unser näheres privates Umfeld: Viele in unserem Bekanntenkreis haben sich aus heiterem Himmel seit 2020 plötzlich die Frage gestellt, ob sie noch im richtigen Beruf, in der richtigen Partnerschaft, im richtigen sozialen Umfeld sind. Auch wir selbst haben uns wohl in einigen Lebensbereichen zu hinterfragen begonnen. Viele haben auch – trotz Krise – erste Änderungsschritte gesetzt. Das Phänomen ist global zu beobachten und kann daher nicht einfach als kurzfristiger Effekt abgetan werden. Wir haben gemerkt, dass es die von früher wohlbekannte „Normalität“ es oft nicht gut mit uns gemeint hat. Wir waren Mitspieler und Mitläufer und oft nicht am Steuerrad unseres Lebens.
Diese Erkenntnis hat etwas gemacht mit den Menschen – mit Millionen Menschen auf dem gesamten Erdball. Viele sind auch außerhalb ihres persönlichen Wirkungsbereiches kritischer mit globalen Entwicklungen geworden.

Zynische „Kollateralschäden“

Letztendlich ist durch die Corona-Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen ein Riss durch die Gesellschaft entstanden. Ein Riss, der durch Freundschaften, Partnerschaften, Familien und Arbeitskollegen geht. Dies als Kollateralschaden abzutun ist gleichermaßen unrichtig wie zynisch. Die Nachwirkungen werden weit länger als die Pandemie selbst andauern.
Dabei drängt sich natürlich die Frage auf: Wie kommen wir persönlich in den Jahren nach dem Tag X gut durch die Zeit?
„Gut durch die Zeit zu kommen“ entstammt genau jenem Denken, das wir aus der Zeit vor der Pandemie kennen. Damit haben wir uns damals zufriedengegeben. Karriere, gutes Einkommen, Familie, Wohnung oder Haus, diverse Besitztümer, Urlaube etc. Das war’s dann schon.
Die Kernfrage, was wir wirklich wollen, wohin wir uns wirklich entwickeln wollen, ist dem „Gut-durch-die-Zeit-zu-kommen“-Denken fremd.

Corona als Weiterentwicklungszeit

Sehen wir Corona mit all seinen Begleiterscheinungen für uns selbst als vom Leben geschenkte Weiterentwicklungszeit. Folgende Gedanken bzw. Fragen zur Selbstreflexion können Ihnen vielleicht den einen oder anderen Impuls liefern:

  • Welche Lebensziele habe ich mir gesteckt, welche davon erreicht und welche habe ich bereits aufgegeben?
  • Welchen „falschen“ Zielen bin ich bisher nachgelaufen, um
  • Welcher Sinn soll mein Leben hier auf der Erde haben?
  • Was muss ich an/in meinem Leben ändern, dass es sinn-voller wird?
  • Ausbildung, Job, Familie, Pension – wie möchte ich den Alltag dazwischen er- bzw. beleben?
  • Welche Abstriche mache ich derzeit bei Partnerschaften und Freundschaften? Wohin zieht es mich eigentlich?
  • Welche meiner Bedürfnisse habe ich bislang ignoriert?
  • Was tue ich aktiv, um Veränderungen in meinem Leben Wirklichkeit werden zu lassen?

Das Leben ist kein Wartezimmer. Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung – und sie beginnt bei dir!

Auf ein baldiges Wiederlesen!

Ihr Andreas Reisenbauer

So mancher Rückzug bringt mehr Wohlbefinden im Alltag

Die aktuelle Pandemie mit all ihren Begleiterscheinungen beansprucht seit bald zwei Jahren täglich unsere Aufmerksamkeit. Wir werden rund um die Uhr mit Nachrichten, Horrormeldungen, Fake News, politischen Botschaften und Meinungen bombardiert. Wir können dem Thema kaum entrinnen. Selbst wenn wir unseren Medienkonsum auf null reduzieren würden – also wenn wir bewusst die Informationskanäle via TV, Radio, Internet und Printmedien ignorieren. Denn sobald wir mit unseren Mitmenschen interagieren, kommt nach einer bestimmten Zeit das Gespräch auf die Coronathematik. Und wieder sind wir mittendrin in diesem „Hexenkessel der Information“, unsere Aufmerksamkeit geht wieder in eine Richtung, die wir eigentlich nicht wollen.

Der Eremit auf der Alm

Ich lade Sie zu einem Gedankenexperiment ein. Stellen Sie sich vor, Sie hatten im Frühjahr 2019 eine mehrjährige Stelle als Sennerin oder Senner in einem sehr entlegenen Gebiet in den Alpen angetreten. Sie sind absoluter Selbstversorger, leben völlig autark. Sie backen ihr Brot selbst, produzieren selbst Butter und Käse und ernähren sich von den Erzeugnissen aus eigener Schlachtung bzw. was Ihnen die Natur an Essbarem liefert. Da Sie keinen Strom haben, können Sie auch keine Nachrichten via TV, Radio oder mobilem Internet empfangen. Sie wissen nicht, dass seit dem Frühjahr 2020 große Teile der Welt in einem Ausnahmezustand befinden. Sie leben nur für sich, Ihre Tiere und die herrliche Bergwelt, die Sie umgibt. Eine tolle Vorstellung, nicht? Viele Menschen äußern in der aktuellen angespannten Situation den Wunsch, einfach aus dem Alltag auszusteigen – zumindest bis diese Pandemie ein Ende hat. Die Vorstellungen von einem derartigen Leben sind – gelinde gesagt – etwas geschönt. Denn unsere Geschichte mit dem Senner-Dasein bleibt natürlich nicht so idyllisch.

Konfrontation mit der Realität

Denn auch der einsamste alpenländische Hüttenbewohner benötigt Vorräte, Waren und Lebensmittel, die es auf seiner Alm nicht gibt. Also müssen Sie zumindest ein- oder zweimal im Jahr den Weg ins Tal suchen, um sich mit dem Notwendigsten zu versorgen.
Wie groß muss dann die Überraschung sein, wenn Sie dort auf Menschen treffen, die das gegenseitige Begrüßen nicht mit einem traditionellen Handschlag, sondern mit der „Ghettofaust“ besiegeln. Augen würden Sie auch beim Einkauf in einem Lebensmittelgeschäft machen, wo plötzlich alle Masken im Gesicht tragen. Oder dass Ihnen wohl der Eintritt in den kleinen Werkzeugmarkt verwehrt wird, da sie keine Impfung erhalten haben und somit hier nicht als Kunde bedient werden können. Ihr sonst bei Ihren Besuchen im Tal obligatorische Besuch im Dorfwirtshaus muss diesmal aus demselben Grund entfallen.
Spätestens dann werden Sie wohl das Gespräch mit den Menschen vor Ort suchen und die Ursachen ergründen. In der Kürze der Erzählung werden Sie es voraussichtlich kaum fassen können, wie sich die gesellschaftlichen Strukturen binnen weniger Monate verändert hat. Irgendwann werden Sie wohl dem Dorf kopfschüttelnd den Rücken kehren und wieder den Rückweg zu Ihrer Almhütte antreten. Zurück in die – vermeintlich – heile Idylle. Weit gefehlt. Obwohl in der vertrauten Umgebung angelangt, beschäftigen Sie wohl in Ihren Gedanken die deutlichen Veränderungen bei den Menschen im Tal. Wie muss es dann erst in dichter besiedelten Gebieten zugehen, wenn schon im kleinen Dorf die Auswirkungen der Pandemie so stark spürbar sind, fragen Sie sich vielleicht. Auch wenn Sie für eine bestimmte Zeit das Leben in der Einsamkeit gesucht haben, sind Sie ein soziales Wesen und interagieren mit den Sorgen und Nöten Ihrer Mitmenschen. Selbstverständlich machen Sie sich auch Gedanken, wie Ihre Rückkehr in die Gesellschaft nach Beendigung der Tätigkeit auf der Alm ablaufen wird. Sie können sich trotz Ihres Einsiedlertums nicht von der Außenwelt abschotten. Sehr wohl können Sie aber den Umgang mit der Außenwelt selbst gestalten.

Zurück ins gesellschaftliche Universum

Die meisten Leser dieser Zeilen werden wohl kaum einen derartigen Lebensentwurf wie unser Senner haben. Die Geschichte soll aufzeigen, dass auch der einsamste Eremit nicht davor gefeit ist, wenn ein alles beherrschendes Thema über den Globus hereinbricht. Das gilt noch mehr natürlich für uns, die wir mitten im gesellschaftlichen Leben stehen und einem bestimmten Maß an Nachrichten kaum entgehen können.
Sie soll uns außerdem zum Nachdenken anregen, welche Anleihen wir – nicht nur in Zeiten von Corona & Co. – vom Eremiten-Dasein nehmen können. Etwa mit folgenden Fragen zur Selbstreflexion:

  • Woran erkenne ich, wann ein Rückzug für mich angebracht ist?
  • Welche Frühwarnsignale sendet mir mein Körper, wenn ich mit einem belastenden Thema überfordere und eine Auszeit brauche?
  • Welche neuen Sichtweisen auf ein Thema bringt mir dieser Abstand?
  • Wie schaut dieses „Abstand halten“ in der Praxis aus?
  • Mit welchen Menschen umgebe ich mich? Welche tun mir gut, welche weniger?
  • Woran merke ich, dass ich mir zu viele einseitige, negative Informationen auflade? Und was sind meine Gegenstrategien?

Gönnen Sie sich hie und da einen Rückzug

Fazit: Gönnen wir uns – analog zu unserem Senner – einen Rückzug, um belastende Situationen aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Mit dem Rückzug ist aber nicht eine physische Übersiedelung in alpine Regionen gemeint, sondern in gedanklicher Hinsicht. Die Rahmenbedingungen von herausfordernden Lebensphasen lassen sich zwar nicht ändern, aber sehr wohl unsere Herangehensweise. Wir entscheiden, ob wir in ein Thema einsteigen oder nicht. Dazu müssen wir nicht auf die Alm ziehen, die Veränderung beginnt bei uns selbst.

Auf ein baldiges Wiederlesen

Ihr Andreas Reisenbauer

Foto: Pixabay/tassilo111